Stadt Lengerich – Mehrfach ist Einfach

 

Plastiktütenfreier Kreis Steinfurt – eine Mogelpackung?

Der Kreis Steinfurt hat die Initiative „Plastiktütenfreier Kreis“ gestartet. An sich gut gemeint, da ja inzwischen allgemein bekannt sein dürfte, dass Plastikmüll große Umweltprobleme verursacht. Doch wie so häufig ist „gut gemeint“ nicht unbedingt „gut gemacht“.

Warum? Weil die Botschaft suggeriert, die Lösung liege in alternativen, eben plastikfreien Materialien: Verzichte auf Plastiktüten, dann ist alles gut. Ganz nach dem Motto: Plastik schlecht – Papier und Jute gut. So einfach ist das aber nicht. Dass das Problem nicht allein das Material, sondern der Umgang damit ist, weiß auch der Kreis Steinfurt. Auch ihm geht es im Kern um die Einwegtüte. Aber warum nennen wir das Kind denn dann nicht beim Namen?

Weil „plastiktütenfrei“ so schön griffig und einfach klingt? Da wird gerne übersehen, dass es sich bei dieser Botschaft im Grunde um eine Mogelpackung handelt.

Ein kleines praktisches Beispiel: „Nimm doch das Altpapier mit nach draußen“, sagte meine Frau unlängst. Ich nahm die in einer Papiertüte aus dem Supermarkt gesammelten Zeitungen mit hinaus und brachte die Tüte wieder mit. „Warum hast du denn die Tüte nicht wegeschmissen“, fragte meine Frau. „Weil’s eine Mehrwegtüte ist.“ Meine Frau zog eine Augenbraue hoch. Das heißt so ungefähr: „Sonst noch was? Man kann’s auch übertreiben.“ Aber da liegt das eigentliche Problem. Unsere ganze ökologische Sorge gilt der „bösen“ Plastiktüte. Die Papiertüte ist „unschuldig“. Sie landet nach einer Nutzung im Altpapier oder als Abfallbeutel in der Biotonne – mit dem guten Gefühl, sie ordnungsgemäß entsorgt und Plastikmüll vermieden zu haben.

Die richtige Botschaft muss lauten, Tüten, die nur einmal verwendet werden, sind immer ein Problem, ganz egal ob sie aus Plastik oder Papier gefertigt werden.

Die Süddeutsche Zeitung hat 2015 die Alternativen zur Einweg-Plastiktüte unter die Lupe genommen. Sie kam zu dem Ergebnis, dass viele vermeintliche Alternativen ökologisch ebenso bedenklich sind. Die Tragetasche aus Papier kann zum Beispiel nur zum Teil aus recyceltem Material gefertigt werden, da sonst die Reißfestigkeit leidet. Sie muss mindestens drei- bis viermal genutzt werden, um eine sinnvolle Alternative zu sein. Das dürfte in der Regel ein frommer Wunsch bleiben.

Auch die Deutsche Umwelthilfe setzt sich in der Kampagne „Mehrweg statt Einweg“ differenziert mit der Ökobilanz unterschiedlicher Alternativen auseinander. Hier kommt man zu dem Schluss, egal ob Taschen aus Baumwolle, Jute oder Kunststofffaser gefertigt werden, Hauptsache, sie werden mehrfach verwendet.

Für den Bürgermeister der Stadt Lengerich, Wilhelm Möhrke, waren dies Gründe genug, sich gemeinsam mit dem Stadtrat und der Werbegemeinschaft Lengerich gegen das Motto des plastiktütenfreien Kreises zu entscheiden. Lengerich forciert eine eigene Lösung, die den Fokus auf die Verwendung legt. Und die heißt „Lengerich geht den Mehrweg“.

Mit unseren Entwürfen für Mehrwegbeutel und dem Slogan „Wir gehen den Mehrweg“ unterstützen wir dieses Vorhaben. Wir sind der Ansicht, es macht keinen Sinn, das Ziel eines plastiktütenfreien Kreises auszugeben, wenn man eigentlich einen einwegtütenfreien Kreis im Auge hat.

Und ohne Scheuklappen betrachtet, ist selbst eine Einweg-Plastiktüte, die mehrfach wiederverwendet wird, ökologisch sinnvoller als eine Papiertasche, die nach einmaliger Nutzung im Müll landet.

Mehrweg-Tasche aus Lengerich

Mehrweg-Tasche aus Lengerich